Violett und supersüß: die Kopplung durchbrechen
Manche Züchtungsziele beginnen mit einer Kombination, die die Natur nur selten liefert. Violette Farbe und supersüße Körner sind ein Beispiel dafür.
Das rezessive sh2-Allel vermindert die Stärkebildung, sodass die Körner zur Verzehrreife mehr Zucker behalten. Funktionelles A1 gehört zum Anthocyanweg. Es unterstützt die Pigmentbildung, doch weitere Gene und ihr Wirkungsort im Gewebe bestimmen die Farbe ebenfalls. [1, 3]
Die beiden Loci liegen auf Chromosom 3 eng beieinander. In entsprechendem Ausgangsmaterial ist sh2 an nichtfunktionelles a1 gekoppelt, während funktionelles A1 mit Sh2 verbunden ist. Rekombination dazwischen kann die gewünschte Kombination A1–sh2 erzeugen. Die Kopplung zu durchbrechen bedeutet, Allele neu zu kombinieren – nicht A1 auszuschalten. [1, 2]
Ein Chromosomenabschnitt je Zeile; nicht maßstabsgetreu. Weitere Farbgene sind nicht dargestellt. Dies ist ein Züchtungskonzept, kein Genotypbefund für PROTISEM-Material.
Eine neue Kombination ist der Anfang.
Veröffentlichte Forschung zeigt, dass violette Pigmentierung und sh2-Supersüße kombinierbar sind. Das eröffnet eine Züchtungsmöglichkeit, ist aber keine Abkürzung zur fertigen Sorte. [1]
Bei PROTISEM lieferte die Ernte 2026 erste Rekombinationskandidaten mit violetten Körnern in einem supersüßen Hintergrund. Als Nächstes folgt die Nachkommenschaftsprüfung. Ein Foto allein bestätigt weder den A1–sh2-Haplotyp noch eine stabile Vererbung der Kombination.
Unser Ziel bleibt ein brauchbarer Frischmarktkolben für Nordwesteuropa. Die Farbe muss mit Pflanzenleistung einhergehen: gefüllte Spitzen, schützende grüne Lieschblätter und die vom Käufer erwartete Qualität. Die genetische Kombination öffnet eine Tür. Die Selektion muss sie ins Feld bringen.

